Lotte liegt flach. Seit Montag. Am Samstag muckte ein Lymphknoten, der mir bis dahin noch gar nicht bekannt war, am Sonntag spielte mein Zahnfleisch verrückt und am Montag schaute ich in einen Mund- und Rachenraum, in dem es von gelben Punkten nur so wimmelte… Den gesamten Montag verbrachte ich in zwei Wartezimmern, Diagnose: Aphthen. Schmerzhafte, medizinische Fragzeichen, die mich seither quälen. Ich ging mit Salben und einem Schmerzmittel nach Hause und der Aufforderung, mich bloß schön auszuruhen und viel zu schlafen.

Als sich über Nacht zum Dienstag die Zahl der Aphthen verdoppelt, wenn nicht verdreifacht hatte und noch Fieber dazukam, setzte ich mich wieder in ein Wartezimmer. Diesmal wurde ich mit einem Antibiotikum und mehr Salbe nach Hause geschickt. Und der Empfehlung, mit Hochprozentigem zu gurgeln. Die strenge Bettruhe musste gar nicht mehr hinzugefügt werden, mit 38,7° turnt man eh nicht mehr herum wie ein junges Reh…

Ich schlief ein paar Stunden und dann kam Michi mich abholen. Eigentlich war ich nicht verreisefähig, aber alleinbleibfähig erst recht nicht… Also machten wir uns auf zur S-Bahn.

Während es ja in vielen Teilen Deutschlands unwettert, hat das Berliner Land seit Wochen keinen Regen mehr gesehen und keine Abkühlung erfahren. Die Temperatur lag so bei 32° (immerhin noch tiefer als meine…). Da die BVG grad Probleme hat, einen plangerechten Fahrablauf zu bestellen, standen wir 16 min auf Anschluss wartend an einer Haltestelle, als mich so peau a peau mein Kreislauf verließ… Michi kaufte schnell ein kaltes Wasser, bevor die – natürlich – total überfüllte Bahn einfuhr. Die Aussicht, in einer überfüllten Bahn zu stehen, haute mich nicht um… Erst das letztendlich Drinstehen. Mir sackte das Blut weg, und ich wusste, wenn ich mich nicht setze, dann lieg ich gleich automatisch. Das sagte ich Michi, das, gepaart mit mir im trendy Schafskäselook bewog sie, eine Frau zum Aufstehen zu bringen. So saß Lotte dann weiß wie ein Zuckerwürfel dort, es rauschte so dermaßen in meinen Ohren, dass ich wirklich gar nichts mehr hörte und alles schwarz war vor meinen Augen… Während das Schwarz sich langsam aufdröselte und ich graugepixelt sah, bemerkte ich ein immer stärker werdendes Kribbeln in meinen Armen. Die waren total blutleer und krampften sich spastisch zusammen. Krass. Und beängstigend. Sowas hab ich echt noch nicht erlebt. Als wir endlich aussteigen konnten, wollte ich nicht groß ausruhen, sondern so schnell wie möglich nach Hause, da eine der Nebenwirkungen des Antibiotikums einzusetzen drohte, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte.

Das „stramme“ Gehen setzte zumindest meinen Kreislauf wieder in Gang, so dass zunächst in meine Lippen wieder Farbe kam und allmählich auch in meine Hände, die sich auch entkrampften. Je mehr Farbe ich bekam, desto mehr wich auch der besorgte Ausdruck aus Michis Gesicht. Später erzählte sie mir, dass sie schon überlegt hatte, wie sie mich wohl nach Hause trägt oder ob sie doch gleich besser einen Notarzt bestellt.

Bei ihr auf der Couch ging es meinem Kreislauf dann immer besser, allerdings kochte mein Fieber richtig hoch. Dank Michis liebevoller Pflege und arschkalter Wadenwickel, ging es mir dann allmählich besser.
Wir haben dann gestern Abend zum Einschlafen „Ein Mann, ein Fjord“ gehört – und zum Aufwachen ebenfalls. :)

Status von heute: Fieber ist noch da, aber sehr gesunken. Die Aphten von Montag sind verblüht, die im Rachen so dick wie nie und aufm restlichen Zahnfleisch wandelt sich das Bild von Stunde zu Stunde. Generell pickt, brennt, juckt, ziept, drückt und schmerzt es einfach. Schlucken und sprechen kann ich kaum, was die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme nicht grad erleichtert. Aber es führt ja kein Weg dran vorbei… Ihr wisst schon, leerer Bauch schluckt nicht gern Antibiotika…

Ich hoffe mal, dass der Trend zur Besserung weiter anhält. Hab keinen Bock auf mehr Wartezimmer und Medikamente und Schmerzen.