Mein lautester Nachbar hat gestern Geburtstag gefeiert. Das ist ein ganz schön geschickter Vogel. Den Zettel mit der Bitte um Verständnis, falls (haha) es was lauter werden sollte, hatte er wohl erst an die Haustür geklebt, als die ersten Gäste kamen… Also dröhnte es mal wieder aus offenen Fenstern in unseren schön widerhallenden Hinterhof.
Das, an sich, ist noch nicht ungewöhnlich, so laut hört der Herr häufiger Musik – und auch wann er dvd- oder fernsieht (und was), kriegt man problemlos mit. Ungewöhnlich waren bloß die vielen lauten Stimmen, die sich dazu gesellten. Ich bin stets erstaunt, zuweilen fasziniert, was für einen Lärm eine handvoll Menschen machen können…
Während mich Lärm jeglicher Art unterschwellig total aggressiv macht, so habe ich, bis ich ins Bettchen musste, das alles schön wegignoriert. Erfahrungsgemäß wird es ab kurz vor Mitternacht eh wenn nicht ruhig, so zumindest leiser. Weit gefehlt…
Selbst mit geschlossenem Fenster (was ich echt nur im äußersten Notfall zumache), konnte ich noch jede Liedzeile verstehen – von den Bässen ganz zu schweigen. Nächster Einfall: Ohrstöpsel. Die halfen aber auch nicht.
Als ich gequält auf die Uhr sah, war es 2.00. Pfft. Eigentlich wollte ich um 7.00h aufstehen, weil ich heute arbeiten muss. Zum ersten Mal in meinem Leben erhob ich mich wegen Lärms aus meinem Bett, um einem Nachbarn auf die Finger oder empfindlicheres zu klopfen. Ich zog mich an, sah kurz in den Spiegel, um zu gucken, ob ich noch das Kopfkissen im Gesicht hatte und stapfte dann los. Meine Wut ließ zumindest zu dem Zeitpunkt nicht zu, dass ich mir total spießig und doof vorkam.
Die Tür war angelehnt, aber ich klingelte. Es ist doch bezeichnend, wenn diesen unangenehmen Klingelton, der durch Mark und Bein geht, niemand hört vor lauter Musik. Ich klingelte und klingelte, hielt den Finger zuletzt sogar eine volle Minute auf dem Schalter: Es rührte sich nichts. Also öffnete ich die Tür und steckte meinen Kopf in die Wohnung. Drinnen bemerkte mich ein weiblicher Gast, dann ein männlicher, ich signalisierte, die signalisierten und der wohl einzig Nüchterne kam an die Tür mit den Worten auf den Lippen: “Ist zu laut, nicht wahr?”
“Ja, verdammt viel zu laut.”
“Ich mach leiser und pass auf, dass es leiser bleibt.”
So nimmt man erzürnten Nachbarn den Wind aus den Segeln…
“Ja, entweder leiser oder Fenster zu. Danke.”
Schon auf dem Weg in meine Wohnung beschlich mich das Gefühl, der absolute Spießer und Partypooper zu sein. Dann wiederum – ich hab immerhin bis 2.oo versucht, ums Beschweren rumzukommen…
Der Nüchterne hielt Wort. Erst wurde die Musik leiser – und dann machten sie wirklich die Fenster zu. Wow. Ich war beeindruckt. Und erleichtert. So konnte ich mein Fenster wieder öffnen und endlich schlafen…
17. Dezember 2008 at 4:15
erstens: jetzt will ich natürlich wieder mal wissen, warum jetzt ausgerechnet der noch nüchtern war.
und zweitens: von meiner mutter (die dasselbe problem hatte, als wir so etwa erstklässlerinnen waren), weiß ich, daß “anziehen” da nicht so gut wirkt: was wirklich gut wirkt, ist: im nachtgewand (so es weder sexy noch selbstbewußt wirkt, sondern einfach nur klein und müde) oder im bademantel mit wirrem haar und seehr müden augen (schminkenden frauen würde ich ja jetzt noch ein wenig dunklen schatten oder verwischten kajal empfehlen) da auftauchen und, mit aller in diesem moment noch gebotenen höflichkeit zur anlage schreiten und selbige leise drehen. (nicht ganz ausmachen. und auch nicht rumschimpfen.) auf dem rückweg sollten solche rücksichtsvollen und nütchternen menschen (noch nie gehört, sowas!) natürlich noch nett angequatscht werden…
samma, wie können eigentlich in einer solch sittsamen gegend mit so gediegenen bauwerken und (vermutlich) gediegenen mietpreisen solche unangenehmen hausgenossen in ausgerechnet deinem haus aufeinandertreffen? ich wohne in einer sogenannten schlimmen gegend und die parties, die bisher angekündigt wurden, haben noch nie wem den schlaf geraubt, nur, wenn der, der direkt unter meinem bett wohnt, diesen einen song (und nicht mal mehr den ganzen, immer nur ein stückchen davon) sommers bei allseits geöffneten fenstern zigmal (und ich übertreibe nicht!) wiederholt, geht was an meine nerven. da die melodieen aber bis dato nie so richtig sch*@¿e waren, fühle ich mich immer noch eher bemüht, ihn zu fragen, ob er beruflich was mit melodieen oder musik zu tun hat…
[hilfe, ich kommentiere deinen blog zu... ist das schlimm? wenn ja: verzeihste mir?!]